Colonia Dignidad Kritik

77

Chile im Jahre 1973. Zwei Deutsche geraten in den Strudel eines Putsches und erleben einen Ort voller Gewalt und Schrecken.

“Chile im Jahr 1973, während des Militärputsches: Das deutsche Paar Lena (Emma Watson) und Daniel (Daniel Brühl) gerät in die Gefangenschaft der chilenischen Militärpolizei. Während Lena bald wieder freikommt, wird Daniel verschleppt. Im Süden des Landes soll er fortan im von der Außenwelt abgeriegelten Dorf Colonia Dignidad leben. Die Siedlung ist Teil eines deutschen Muster-Dorfes, das unter der Führung des Laienpredigers Paul Schäfer (Michael Nyqvist) gedeihen soll.

Als Lena herausfindet, dass der Ort in Wahrheit eine Sekte ist, die mit dem chilenischen Diktator Augusto Pinochet zusammenarbeitet, schleußt sie sich in Colonia Dignidad ein, um Daniel zu befreien. So findet sie heraus, dass in der Ortschaft politische Gefangene und Verfolgte gefoltert werden und die Gemeinschaft nicht einmal vor Mord zurückschreckt.”
Quelle: https://www.moviepilot.de/movies/colonia-dignidad

Bewertung Sebastian

Gesamtwertung
Ich habe mir im Vorfeld die Mühe gemacht mich mit dem Thema Colonia Dignidad auseinander zu setzen. Ich persönlich finde nicht, dass man daraus einen Film hätte machen müssen, eine gute Doku hätte es viel mehr getan. Wenn man es aber tut finde ich, dass die Verflechtungen nach Deutschland sowie die Gründungsgeschichte wesentlich interessanter gewesen wären. So bekommen wir, natürlich, eine Liebesgeschichte von 2 Menschen die sich gefühlt überhaupt nicht lieben und am Ende ist es mir total egal ob da jemand fliehen kann oder nicht. 

Der Film soll ab 16 sein und ich habe mich die ganze Zeit gefragt warum. Jeder Moment von Folter, Züchtigung oder sexuellem Missbrauchs wird ausgeblendet. Ich hätte mich in dieser Sekte sehr gerne wesentlich mehr geekelt, Partei ergriffen und über bitterböse Inszenierung gejubelt. Nichts davon trifft auf diesen Film zu und daher ist er auch gnadenlos an den Kinokassen gescheitert
Bild: Normaler Durchschnitt. Nichts hebt sich hier vom Standard ab.
Story: Eigentlich bietet die Story um Colonia Dignidad das Potential zum böse dunklen Thriller mit Ekel-Potential. Rausgekommen ist ein seichter Film der nur oberflächlich Story von über 132 Tagen beleuchten möchte, dabei aber nicht einmal versucht Tiefe, Mitgefühl und Storytelling zu betreiben. Die in den Film gepresste Liebesgeschichte geht mir am Arsch vorbei. Nie glaube ich, dass Daniel und Lena sich lieben. Vielleicht hat da jemand heimlich was mit Harry Potter. Aber war der im Lager? 2 Punkte gibt es hier nur weil die Grundidee eigentlich Potential hat und im Grunde auf wahren Gegebenheiten beruht.
Ton: Der Ton sowie Soundtrack setzen sich nie über das Standard hinweg. Man hat sich nicht einmal die Mühe gegeben einen alten Plattenspieler auch wie einen alten Plattenspieler klingen zu lassen. Leider können da Tracks wie „Ain‘t no sunshine“ oder auch „Samba pa ti“ nicht retten.
Effekte: Effekte im klassischen Sinne gibt es wenige. Richtig schlecht in Erinnerung geblieben ist das total schlecht animierte Flugzeug am Ende des Films. Die Szenerie und die Kostüme könnten auch aus einem Hinterwälder Ort irgendwo in Bayern stammen.
Besetzung: Ich kann mit Daniel Brühl nichts anfangen und auch Emma Watson taugt für mich in den meisten Rollen ebensowenig. Trotzdem habe ich versucht neutral an den Film zu gehen. Leider bestätigt sich bei Daniel Brühl mal wieder, dass er für mich total falsch am Platz ist und das wird besonders deutlich als er versucht eine geistige Behinderung glaubhaft darzustellen. Emma Watson bleibt grau über weite Strecken des Films. Der Sektenführer Paul Schäfer gespielt von Mikael Nyqvist hat seine guten Momente aber auch hier fehlt mir die wirklich dunkle Seite die so eine Sekte mit sich bringt. Alle anderen Rollen fallen überhaupt nicht ins Gewicht und sind somit zu vernachlässigen.

Bewertung Markus

Gesamtwertung
Es ist leider der Stoff, oder besser gesagt einer der Stoffe, aus dem gute Filme gemacht werden. Furchtbares Leid und menschenverachtendes Verhalten, geduldet durch korrupte Machtinhaber einer 17 Jahre langen Diktatur. Darunter zwei offensichtlich rechtschaffende Außenseiter, die nicht ohne eigenes Zutun in die Krise ihres Lebens geraten sind. Sowohl die Kraft aus der gemeinsamen Hoffnung und Verbundenheit, als auch der Gefallen eines unbeteiligten Freundes ermöglichen das halbe happy end. Ein komplettes happy end wäre auch irgendwie wieder diesen einen Tick zu viel gewesen. Ich kann durchaus anerkennen, dass mich dieser Film sehr gut unterhalten hat. Gedanklich war man sicher ständig damit beschäftigt, wie ein solches Geschehen einst Realität war. Es ist keine Schande Filme in denen Leid und Gewalt eine tragende Rolle spielen super zu finden, ganz im Gegenteil. Zwischendurch habe ich mich dabei erwischt, wie ich die eine oder andere Szene mit Band of Brothers verglichen habe. Ein deutlichen Zeichen von Qualität, denn schon dort überzeugten Gewalt und Kälte. Ich bin mir schlussendlich nicht sicher, ob es das Herzschlagfinale auf dem Flughafen hätte geben müssen. Ich verstehe, dass man die Verstrickung der Deutschen Botschaft nicht weglassen konnte. Dennoch sei die Frage erlaubt, ob es wirklich gut gepasst hat. Ob sie wohl mal etwas mit dem Piloten hatte? 😉
Bild: Der Film begann und endete mit Originalmaterial. Während wir zu Beginn noch die Sieger des Putsches von 1973 sahen, getaucht in die Landesfarben von Chile, bekamen wir am Ende die eher farblose Wahrheit. Während des Films sahen wir eher wenig Farbe. Alle Bilder waren in einen leichten grauen Schleier getaucht, was der Stimmung den passenden Ausdruck verliehen hat. Leider wurde dies nicht ganz so konsequent durchgezogen. So fanden wir die Überlebenden der letzten Falle in einem satten grünen Wald wieder. Wir haben viele Close-ups erlebt, die geholfen haben um etwas mehr in die Charaktere hinein zu sehen. Wir haben zwar wenig Schönes gesehen, aber in Summe sehr passende Mittel in Bild und Kameraführung.
Story: Die Story basiert in Teilen auf wahren Begebenheiten und nutzt diese Vorlage, um es durch eine Liebesgeschichte zu ergänzen. Liebe, zieht immer. Es gibt wirklich nur wenige Schwachstellen im Geschehen. Mich hätte brennend interessiert, warum Daniel den Weg nach Chile gegangen ist. Zudem erfahren wir auch nicht, was die beiden so sehr miteinander verbinden, um für einander das Leben zu riskieren. Der letzte Kritikpunkt ist ihr Eindringend in die Kolonie. Aufgrund der Fotos von beiden in der durchsuchten Wohnung, hätte sie kein unbeschriebenes Blatt darstellen dürfen. Der ganze Rest hat überzeugt. Dass der Typ das dicke Stahlgitter im Tunnel gefühlt mit einer Nagelfeile durchtrennt hat, hat niemand gesehen. Unnötig.
Ton: Viele Szenen treffen den richtigen Ton und untermalen das Geschehen. Auch Stille gehört zum Ton und macht den einen oder anderen Moment genau so kalt, wie man ihn vor dem Bildschirm nachempfunden hat.
Speziell die Flucht wird mitreißend untermalt und erinnert fast ein bisschen an Prison Break.
Effekte: Kulisse und Szenerie bilden für mich den Hauptteil der Effekte. Am Ende des Films erlauben Originalaufnahmen einen erschreckend echten Abgleich mit den Drehorten. Man hat es geschafft eine gruselige aber perfekte Symbiose aus einem alten Ferienlager im Wald und einem Konzentrationslager zu schaffen. Es gab Momente, in denen die Kulisse den Anschein machte, als würde sie aufgrund der dumpfen, erstickenden Kälte alle denkbaren Gefühle aus dem Raum hinaus saugen. Effekte drum herum, wie zum Beispiel die Vollbremsung zu Beginn des Films, wurden allerdings schlecht umgesetzt. Das Mittel der Sprache und Dialoge wurde sehr gut umgesetzt für nahezu alle Rollen.
Besetzung: Zum Glück wurde aus Daniel ordentlich die Scheiße heraus geprügelt. Die augenscheinlich behinderte Version der Figur hatte wenigstens eine halbwegs passende Frisur. Dennoch gelang es die schwierige Rolle des unzurechnungsfähigen Idioten gut zu verkörpern. Emma Watson hat auf ganzer Linie überzeugt. So viel Hass und Verachtung habe ich selten in einem so schönen Gesicht gesehen. Sie verkörpert die liebende Retterin, die ihr eigenes Leben auf Spiel setzt. Ich habe es ihr abgekauft.

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