Gran Torino Kritik

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Ein reaktionärer Rentner (Clint Eastwood) steht in Gran Torino einer Einwandererfamilie im Kampf gegen marodierende Jugendbanden bei – ganz entgegen seiner inneren Überzeugung.

Walt Kowalski (Clint Eastwood) hat sein Leben lang in der Autofabrik gearbeitet. Als Rentner vertreibt er sich die Zeit damit, ein paar Reparaturen am Haus auszuführen, Bier zu trinken und einmal im Monat zum Frisör zu gehen. Obwohl seine inzwischen verstorbene Frau sich wünschte, dass er zur Beichte geht, hat Walt nichts zu beichten. Einst ist er verbittert aus dem Koreakrieg zurückgekehrt, nach wie vor säubert er regelmäßig sein M-1-Gewehr und hält es schussbereit. Er traut niemandem. Seine früheren Nachbarn sind entweder weggezogen oder gestorben. Jetzt wohnen in seiner Umgebung Migranten des Hmong-Volks aus Südostasien, die er nicht ausstehen kann.

Gran Torino

Alles, was er um sich herum wahrnimmt, macht ihn wütend und Walt scheint, ihm bleibt nichts anderes übrig, als den Rest seines Lebens einfach auszusitzen. Doch eines Nachts versucht der schüchterne Nachbarsjunge Thao (Bee Vang) seinen 1972er Gran Torino zu klauen. Walt verhindert nicht nur den Diebstahl, sondern auch die Übergriffe der Gang – wider Willen ist er plötzlich der Held des Viertels. Eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht zwischen dem Rentner Walt und dem Nachbarsjungen Thao, die alle Beteiligten verändern wird.
Quelle: https://www.moviepilot.de/movies/gran-torino

Du möchtest mehr über Gran Torino erfahren? Wir sprechen in Ausgabe 69 unseres Podcasts Viel Dampf über den Film. Hier geht es zur Folge

Bewertung Sebastian

Gesamtwertung
Ich habe mir im Vorfeld die Mühe gemacht mich mit dem Thema Colonia Dignidad Gran Torino sollte man gesehen haben und auch wenn es mittlerweile schon wieder 11 Jahre her ist verliert der Inhalt nicht an aktueller Brisanz. Ich habe den Film jetzt zum zweiten Mal gesehen und fand ich emotional toll und auch stellenweise sehr komisch. Wer nah am Wasser gebaut ist wird sicherlich die eine oder andere Träne verdrücken müssen. Ein tolles Drama für einen entspannten Abend auf dem Sofa was zwar politischer Natur ist aber überwiegend popcorn-haft an der Oberfläche schwimmt um den Zuschauer nicht zu sehr anzustrengen. Das ist auch die einzige Kritik die man äußern könnte aber dann soll man halt in anspruchsvollere Filme gehen.
Bild: Das Bild geht für den 2009 auf jedenfall klar. Die Bluray Fassung ist schön scharf weist aber stellenweise leichtes Rauschen auf. Da wir bei Viel Dampf aber gar nicht so tief gehen wollen finde ich ansonsten noch zu erwähnen, dass mir stellenweise eine leicht andere Farbgebung besser zum gesehenen gefallen hätte. Und der Kontrast ist häufig zu hoch, was aber leider auch zu 2009 passt.
Story: Die Story ist mitreißend und hat mich damals als der Film raus kam total umgehauen und auch emotional mitgenommen. Besonders zum Ende hin war da schon ein großer Kloß in meinem Hals. Die Wandlung des verbitterten alten Amerikaners der eigentlich aus Polen kommt ist toll und auch die Verflechtungen mit der Gang und der Familie von Thao sind glaubwürdig. Es gibt Stellen an denen man sehr gut schmunzeln kann und im nächsten Moment zerreißt es dir dein Herz.
Ton: Melodisch, unaufdringlich passend. Fällt nicht unangenehm auf aber es gibt auch nichts musikalisch was einem vom Hocker haut. Die Soundmische stimmt in den meisten Fällen aber auch hier wieder das häufig gesehene Problem, dass Stimmen gerne mal etwas leiser sind als der Rest.
Effekte: Als Drama lebt der Film weniger von klassischen Effekten als von der Illusion in einer Vorstadtsiedlung von Detroit zu sein. Der Niedergang der Autoindustrie hat seine Spuren an den Sets hinterlassen und die trostlose Siedlung kann ich mir sehr gut vorstellen. Die “Kostüme” und die Szenerie wirken glaubhaft und stimmig zugleich.
Besetzung: Die Besetzung von Gran Torino entspricht dem was Clint Eastwood in seinen Jahren als Regisseur auf die Leinwand gebracht hat. Wenige Gesichter die man kennt und dafür umso stimmige Charaktere die eine tolle Rolle verkörpern. Auf der anderen Seite stiehlt hier natürlich Clint Eastwood als verbitterter hoch konservativer alternder Mann allen anderen Rollen die Show. Wie seine Ansichten sich über den Film verändern ist grandios. Manchmal ist es für mich ein wenig zu viel Western und etwas zu viel Acting aber trotzdem kaufe ich ihm die Rolle ab. Der Film leidet ein wenig unter Klischees die besonders bei den Gangmitgliedern zum tragen kommen. Das ist mir dann stellenweise doch ein bisschen viel gespielte Straße. Thao und seine Familie gefallen mir gut und insgesamt kann man festhalten, dass niemand hier fehl am Platz wirkt.

Bewertung Markus

Gesamtwertung
Der Krieg arbeitet in Menschen. Und Das scheinbar jeden einzelnen Tag. Walt Kowalski führt den Krieg lange Zeit nach Korea weiter. Er führt einen Krieg gegen sich selbst. Dabei wird er zu einem verbitterten Rassisten, der im Kern eigentlich viel für Menschen übrig hat. Bei seiner Familie hat, abgesehen von seiner Frau nicht geklappt. Zu den Söhnen besteht große emotionale Distanz und die Enkelkinder haben Opa schon abgeschrieben und kümmern sich um das Erbe. Frischer Wind bringt die asiatische Familie. Durch einen sehr unangenehmen Zwischenfall nähert man sich an und lernt etwas von Werten und Überzeugungen des Anderen. Der Pole und Reisfresser, die perfekte Männerfreundschaft.

Ohne jede Bandenkriminalität hätte man Walt einfach in wenigen Jahren auf den Friedhof schaffen können, der Krebs hätte es erzwungen. Der Krieg in der Nachbarschaft nimmt seinen Lauf, aber keinesfalls den gewünschten. Walt mischt sich ein und begeht einen Fehler, den er sich selbst nicht verzeihen kann. In Korea hätte er keine Wahl gehabt, hier konnte er sich das Ende des Krieges aussuchen. Ich würde es nicht als Opferung sehen, eher als Genugtuung und ein wenig Erlösung. Auch der Humor kommt hier nicht zu kurz, zumindest wenn man über rassistische Jokes lachen kann.
Bild: Was sofort auffällt und sich durch den gesamten Film zieht ist Dunkelheit. Diese kommt in zahlreichen passenden Momenten perfekt zur Geltung und spiegelt auch die Trübheit in der Seele des Hauptdarstellers wieder. Wir sehen hier tatsächlich wenig Sonne, was auch ein bisschen für die Hoffnungslosigkeit steht, die viele Charaktere mit sich herum tragen. Close-ups wurden sinnvoll eingesetzt.
Story: Die Story von Gran Torino kommt  fast ohne Ecken und Kanten daher. Middle-East und das jeden Tag. Ein Ford in der Einfahrt und ein Ford in der Garage. Plötzlich beginnt ein neuer Krieg vor eigenen Haustür. Ein Krieg ohne Befehle und mit selbst gewähltem Ende. Ein gutes Happy End, wie oft gibt es das tatsächlich? Einzig allein der Umstand, dass Walt seinen Gran Torino für das erste Date an Mao Tao verleihen möchte, war mir einen Tick zu viel.
Ton: Hier und da brachten Töne etwas mehr Schwung in den Moment. Gran Torino lebt allerdings von einer Stille, die den Fokus klar auf hervorragend karge Dialoge legen. Den Song zum Abspann habe ich zwei Mal gehört.
Effekte: Ein Film der eigentlich keine Effekte braucht. Handschusswaffen, die rein vom Ton her an Fortnite erinnern, und fast kein Mündungsfeuer haben, haben es dennoch versucht. Die authentische Kulisse kann über diese Feinheiten allerdings hinwegsehen lassen. Es war genau das, was man vom klassischen Amerikaner im mittleren Westen erwarten kann. Bier aus der Kühlbox auf der frisch gefegten Veranda.
Besetzung: Es ist schwer neben Clint Eastwood noch etwas Raum für eine weitere tragende Rolle zu finden. Der Bambusratte ist es gelungen. Auch wenn äußerlich natürlich keine wesentlichen Veränderungen erkennbar sind, erleben wir Rollen, die sich einmal um die eigene Überzeugung drehen und völlig verschiedene Weltbilder verkörpern können. Die Gangs waren mir einen Tick zu viel, der Rest war großes Kino.

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