Le Mans 66 Kritik

Ford v Ferrari
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Willkommen zur Le Mans 66 Kritik von Viel Dampf. Diese Kritik ist begleitend zu unserem Podcast Viel Dampf #56 erschienen, in dem wir detailliert über unsere Kritik sprechen und wie wir Le Mans 66 fanden. Hier geht es zum Podcast

Le Mans 66
Le Mans 66 Plakat Quelle Fox.de

Worum geht es bei Le Mans 66?

Le Mans 66 – Gegen jede Chance, oder auch im Original Ford v Ferrari, handelt von dem aussichtslosen Kampf des Ford Konzerns in den 60er Jahren aus der Massenproduktion von Familienwagen auch im Rennsport Fuß zu fassen und das legendäre Le Mans Rennen in Frankreich zu gewinnen. Besonders in der Nachkriegszeit sehnt sich die junge Generation nach aufregenden Fahrzeugen und nicht dem nächsten Familienschlitten. Dies erkennt auch Henry Ford II und beauftragt den letzten amerikanischen Gewinner Carroll Shelby (Matt Damon) mit der Produktion eines ebenbürtigen Rennwagens.

Dieser nimmt die Auftrag an und macht sich mit dem störrischen Ken Miles (Christian Bale) auf, diese schwierige Aufgabe zu meistern.

Wie nah ist Le Mans 66 an der Realität?

Menschen mit Hang zum Rennsport werden sich spätestens bei den Credits fragen wie authentisch das Drehbuch von Le Mans 66 ist und was aufgrund von Dramaturgie und Story aufpoliert worden ist.

24 Stunden von Le Mans

Um auch für Genre fremde Leser einen Bezug zu schaffen, lasst uns erst einmal mit den Gegebenheiten beginnen. Le Mans ist eine kleine Stadt im Nordwesten Frankreichs. Seit 1923 wird hier das Langstreckenrennen “24-Stunden von Le Mans“, am zweiten Wochenende im Juni auf den Landstraßen im Süden der Stadt, ausgetragen. Die Strecke ist insgesamt 13,9 km lang und zeichnete sich besonders durch die extrem lange Grade Mulsanne Straight aus, auf der regelmäßig Geschwindigkeitsrekorde gebrochen wurden. Durch schwere Unfälle wurden hier 1990 zwei Schikanen mit eingebaut, um die maximale Geschwindigkeit zu begrenzen. Seit 1965 wurde die Rennstrecke Circuit Bugatti Teil der Gesamtstrecke und bietet somit auch eine permanente Start-Ziel Passage, Boxengasse und Zuschauerränge.

In den Jahren hat sich Le Mans also extrem verändert. Und heute, auch wenn immer noch die öffentlichen Straßen genutzt werden, hat sich das Aussehen der Rennstrecke enorm modernisiert. Auf einem Flughafen in Südkalifornien wurde so gut wie möglich die alte Rennstrecke nachgebaut. In Le Mans selber wurden nur die Szenen abseits der Strecke gedreht.

Ansonsten, mit ein paar dramaturgischen Upgrades, versucht Le Mans 66 die Historie perfekt einzufangen. Natürlich, wie für einen Renn Film üblich, gab es in der Geschichte des Rennsports nie eine Szene in der 2 Rennfahrer minutenlang nebeneinander herfahren und sich dabei auch noch lange in die Augen gucken. Diese Details sind aber zu verschmerzen und machen den Film umso spannender.

Auch wurden dramaturgisch wertvolle Momente zwischen den Teams extremer dargestellt um dem Zuschauer gute Unterhaltung und tolle Bilder zu bieten. Nicht alles von dem was man sieht muss wirklich so passiert sein.

Le Mans 66 kann somit eingeschränkte als Dokumentation gesehen werden. Um daraus einen guten Film zu machen bezieht man sich aber nicht nur auf 24 Stunden Rennsport sondern auch auf eine Männerfreundschaft, die Vor- und Nachteile eines Konzerns und die Liebe zum Motorsport, bleibt aber in vielen Teilen der grundsätzlichen Geschichte von Le Mans 66 treu.

Auszeichnungen

Le Mans 66 war bei den Oscars 2020 für insgesamt 4 Kategorien nominiert und gewann den Preis für Besten Schnitt (Michael McCusker & Andrew Buckland) und Besten Tonschnitt (Donals Sylvester). Bei den, in Deutschland, weniger bekannten Satellite Awards 2019 gewann der Film 5 Auszeichnungen von insgesamt 10 Nominierungen.

Bewertung Sebastian

Gesamtwertung 4/5 Sternen
Ein toller Film der nicht nur aber besonders für Rennsport Fans gemacht ist. Le Mans 66 stellt die Freundschaft zweier unterschiedlicher Männer in den Vordergrund umrahmt von einer der spektakulärsten Rennserien der Welt.
Bild: Die hautnahe Action welche durch die Kamera eingefangen wird ist atemberaubend. Die Farben, Blickwinkel und der Schnitt katapultieren einen in das Amerika der 60er Jahre. Genossen habe ich den Film auf einem 4k Fernseher mit aktiviertem HDR. Die tolle Schärfe gepaart mit dynamischen Kontrasten sind herausragend. Von Rauschen keine Spur.
Story: Die Story von Le Mans 66 reicht eigentlich schon um daraus einen tollen Film zu machen. Gepaart wird dies mit einer gut herausgezeichneten Männerfreundschaft, der Leid den ein Sport mit sich bringen kann und zwischenmenschliche Gegebenheiten im Konzern Umfeld. Gut gefallen hat mir auch die Darstellung von Ferrari und der Kampf zwischen den Unternehmen. Witz kommt hier ebenso zu wenig wie ernste Themen. Am Ende erleben wir satte 20 Minuten Rennaction. Ich bin glücklich.
Ton: Der Ton steht dem Bild in Nichts nach. Satter Motorsound, gute räumliche Wahrnehmung und klar zu verstehende Stimmen. Als Bewertungsgrundlage gilt hierbei der englische Originalton in 7.1
Effekte: Effekte bei einem Film über Motorsport sind immer ein wenig schwierig. Herausarbeiten sollte man hier die tollen Rennszenen und Crashes die auf der Strecke passieren. Alles davon hat mir sehr gut gefallen und wirkt nicht aufgesetzt oder mit CGI überladen.
Besetzung: Das absolute Highlight sind allerdings die Darsteller. Alles passt sich perfekt ins Bild der 60er Jahre von Amerika. Matt Damon verkörpert Carroll Shelby nahezu perfekt. Das typisch überhebliche Auftreten eines Cowboys der schnelle Autos liebt, nun sich allerdings aufgrund der Gesundheit eher in der Box als hinterm Steuer aufhalten muss.
Toppen kann ihn nur Christian Bale den ich in nahezu all seinen Rollen liebe. Hier verkörpert er den schrulligen und störrischen Rennfahrer Ken Miles der gebürtig aus England kommt. Mit all seinen Kanten und Ecken spielt sich Bale hier zu Höchstleistung und formt authentisch dessen Karriere.

Bewertung Markus

Gesamtwertung 4/5 Sternen
Ich möchte einsteigen und nur versuchen nachzuempfinden, wie das Gefühl der 7000 Umdrehungen wirkt. Ford vs. Ferrari ist eine Einladung, um davon auch nur den Hauch einer Idee zu bekommen. Dazu kommen Männer, die echte Gefühle zeigen und bereit sind alles zu opfern für das gemeinsame Ziel!
Bild: Bild und Schnitt erlauben ein hautnahes Filmerlebnis. Dynamik trifft auf Momentum.
Sowohl Geschwindigkeit, als auch das Gefühl bei Nacht auf der Teststrecke an die “perfect lap” zu glauben, wurden transportiert.
Story: Der Kampf der dicken Eier. Amerika versus Europa. Ford versus Ferrari. Es tut immer gut Menschen zu sehen, die für eine Sache brennen. Leute, die für das Ziel auch mal regeln brechen und hohe Risiken in Kauf nehmen. Die Liebe zum Extremen und der Funke Wahnsinn. Das alles und noch viel mehr, findet hier einen verdienten Platz. Den Platz neben Ken Miles. Er fühlt sich an wie ein permanenter Schleudersitz. Ferrari zieht den Hut. Nicht vor Ford. Vor dem Mann mit dem ungewöhnlichen Hang zu einer Tasse Tee.
Ton: Amerika pur! Racing verspricht laute Motoren und aktionreiche Musik. Erwartung erfüllt. Nothing more.
Effekte: Schaltvorgänge erinnern an The Fast and the Furious. Auch hier in der Masse etwas überflüssig. Effekte wurden sparsam und realistisch eingesetzt, eine weise Entscheidung.
Besetzung: Die Charaktere werden durch den Wahnsinn zum Motorsport verbunden und die Besetzung verkörpert diese Obsession bis ins Mark. Über den nachrangig wichtigen Cast der Ford Company kann man streiten.

Quellen und Links

Knapp einstündige Dokumentation von Arte über Le Mans.
1966 Dokumentation in Englisch vom Rennen des als Vorlage zum Film galt. Hier besonders schön zu sehen wie gut der Film das Geschehen von damals einfängt.

85er Baujahr aus dem hohen Norden! Beruflich mal als Friseur gestartet und rauchfrei seit 20.5.2012. Liebt das SteamTeam und diesen Podcast. Würde sich als Nerd bezeichnen, liebt Filme sowie Serien und ist ein wenig extrovertiert ;)

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